WINDCHILL

WINDCHILL – GEFÜHLTE TEMPERATUR

Im Winter hören wir immer mal wieder in den Wetterprognosen vom „Windchill“ oder der „gefühlten Temperatur“. Dieser Wert liegt immer tiefer als die tatsächlich gemessene Temperatur. Doch was steckt da genau dahinter.

Grundsätzlich gilt: Windchill-Angaben beziehen sich nur auf Lebewesen, nicht aber auf Materialien wie z.B. Metall, Stein, Holz etc. Es wird auch der Begriff  Empfindungstemperatur verwendet, was ja auf Lebewesen hindeutet.

Windchill beschreibt den Unterschied zwischen einer gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur, in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit.

Unser Körper produziert wie wir wissen laufend Wärme. Diese bildet auf der Hautoberfläche eine Art Luft-Schutzschicht/Isolation. Bei absoluter Windstille bleibt diese Schutzschicht über unserer Haut intakt. Die dann wahrgenommene Lufttemperatur ist aufgrund dieser wärmeren Lufthülle höher als die tatsächliche Umgebungstemperatur in einigen cm Entfernung zur Hautoberfläche.

Sobald nun aber Wind aufkommt, wird diese Schutzschicht zerstört und/oder weggeblasen. Die Haut kühlt ab, weil durch den Körper nicht gleich schnell wieder genügend Wärme zur Verfügung gestellt werden kann, um diese Schutzhülle aufzubauen.

Die tiefere Umgebungstemperatur entzieht nun der Hautoberfläche zusätzlich Wärme. Dieser Wärmestrom nach aussen wird subjektiv als Kälte empfunden. Der Wind hat die Wirkung, die Angleichung der Oberflächentemperatur des Körpers mit der Umgebungstemperatur der Luft zu beschleunigen. Wir empfinden dies als kühlend und beginnen zu frieren.

Die Luftfeuchtigkeit hat auf das Temperaturempfinden natürlich auch Einfluss. Da die Luftfeuchtigkeit bei tiefen Temperaturen jedoch meist niedrig ist, geht man bei den Berechnungen des Windchill von trockener Luft aus und somit einem geringen Effekt der Luftfeuchtigkeit auf die Temperatur. Die Luftfeuchtigkeit wird daraus folgend nicht in die Berechnungen einbezogen.

Übrigens: Eine Windgeschwindigkeiten bis 1.34m/s (entspricht ca. 5km/h), wie z.B. beim Gehen, wird noch als Windstille bezeichnet.

Die gefühlte Temperatur kann mit der nachfolgenden Formel selber berechnet werden. W = Windchill, T = Lufttemperatur in °C, V = Windgeschwindigkeit in km/h.

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W = 13,12 + 0,6215 x T – 11,37 x V0,16 + 0,3965 x T x V0,16.

Berechnungsbeispiel mit einer Lufttemperatur von -5°C und Wind von 25 km/h

Wem das zu umständlich oder kompliziert ist, der kann auch aus der nachfolgenden Tabelle ganz einfach  die Windchill-Werte ablese.

Für die Angabe der Temperatur wird in der Tabelle Grad Celsius verwendet, dies obwohl es sich hierbei nicht um eine real gemessene Temperatur handelt, sondern um eine berechnete Temperatur.

Einschränkend ist zu erwähnen, dass es sich beim Windchill lediglich um einen Mittelwert handelt und nicht um einen exakten, wissenschaftlichen Wert. Das Wärmeempfinden eines einzelnen Menschen kann davon markant abweichen. So kann sich z.B. das Wärmempfinden durch das Tragen einer Brille, Bartwuchs, Auftragen von Sonnencreme etc. verändern. Die Körperfülle, Akklimatisierung oder auch genetische Anpassungen usw.  können bei der Windchill-Berechnung ebenso wenig berücksichtigt werden. Für einen Spanier fühlen sich -20°C sicherlich kälter an als für einen Eskimo.

Die Sonneneinstrahlung findet keinen Einzug in die Berechnungen. Auch die Meereshöhe wird bei der Windchill-Berechnung nicht berücksichtigt. Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner, die Wärmekapazität und –leitung wird reduziert und der Windchill-Effekt  wird dadurch schwächer.

Trotz all dieser Einschränkungen kann uns der Windchill wertvolle Information liefern, denn bei niedrigen Temperaturen in Kombination mit Wind müssen wir unsere Haut  ausreichend schützen um keine Erfrierungen  zu erleiden.

Eine besondere Bedeutung besitzt der Windchill in kalten und windigen Regionen der Erde, insbesondere in der Arktis, der Antarktis und in den Hochgebirgen, also z.B. für Bergsteiger. Auch eine schnelle Bewegung des Menschen entspricht dabei einer hohen Windgeschwindigkeit, wovon bestimmte Wintersportarten (z.B. Skirennen) betroffen sind.

Der Windchill-Effekt kann aber auch die Einsatzfähigkeit von Maschinen und Fahrzeugen beeinträchtigen. Er hat eine hohe Bedeutung für alles Leben in entsprechenden extremen Klimazonen.

Während der Windchill vornehmlich für Temperaturen unterhalb der Behaglichkeit (ca. 15°C) angewendet wird, ist für Temperaturen darüber der Hitzeindex (Humidex) aussagekräftiger. Doch darüber werde ich Euch in einem späteren Bericht schreiben.

Heidi, HB9GHK 1. April 2018

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