GEISSLE CHLÖPFE

Geissle clöpfe

In diesen Tagen ist es wieder überall zu hören, das „Geissle chlöpfe“. Ein Brauch, der an den meisten Orten um den Nikolaustag gepflegt wird. Die einen sagen, um den Nikolaus zu wecken, Andere glauben daran, so die bösen Wintergeister und Dämonen vertreiben zu können. Doch ungeachtet des Ursprungs des Brauches interessiert uns die Frage, wie das „Geissle chlöpfe“, also der Knall entsteht.

Eine Geissel besteht aus 5 Teilen. Dem Schenkel oder Stecken, das Geisselleder, die Schlinge, der Vorschwung und der Zwick.

Der Schenkel oder Stecken wird aus Holz gefertigt, häufig aus Zürgelbaum (Hanfgewächs), damit er stabil und doch biegsam ist. Der Stecken ist zwischen 70-110cm lang.

Mit dem Geisselleder wird die Schlinge an den Stecken befestigt.

Die Schlinge wird aus Hanf, Flachs oder Jute gefertigt und ist konisch, d.h. am Stecken dicker als am Ende. Bei der verbreitetsten Geissel, der Fuhrmannsgeissel oder in Mundart Chrüzlistreich genannt, ist die Schlinge 2 Meter lang.

Ans Ende der Schlinge wird der Vorschwung angebracht. Dieser besteht meistens aus Nylon und ist ca. 35 cm lang.

Und zu guter Letzt, also ganz am Ende folgt das wichtigste Teil, der Zwick. Es ist eine Kordel, die aus Nylonfasern gefertigt ist. Diese Kordel ist schlussendlich verantwortlich für den Knall.

Und wie entsteht nun dieser Knall?

Der Knall entsteht durch eine plötzliche Änderung des Luftdruckes, die sich von einem Punkt des Raumes als Druckwelle ausbreitet und mit Schallgeschwindigkeit (also 343 Meter pro Sekunde) unser Ohr erreicht.

 

Der Zwick muss für einen kurzen Moment eine Geschwindigkeit erreichen, die grösser als die Schallgeschwindigkeit in Luft ist. Nur dann ist es möglich, mit der aufgefächert Nylonkordel die Luft so rasch zu verdrängen, dass ein Loch entsteht. Es bildet sich ein Vakuum und darum herum ein Bereich, in dem die Luft stark zusammengedrückt ist (Überdruck). Der Knall entsteht immer dann, wenn die Geissel sich streckt. Dann wird der leicht bewegliche Zwick, der beim Ziehen umgeknickt hinter der schweren Geisselschnur hergezogen wird, augenblicklich gezwungen sich auszustrecken. Je rascher und kräftiger das Ziehen ist, desto stärker wird der „Chlapf“. Mit einer Chlausgeissel wird eine Lautstärke von über 100 Dezibel erreicht.

Bei längeren Geisseln wird diese Störung des Luftdruckes immer grösser, weshalb diese dann auch tiefer und dumpfer klingen.

Und hier noch ein Link zu einem kurzen Film, der die Herstellung einer Geissle zeigt.

 

01.Dezember 2017 / Heidi, hb9ghk